Bei der Sache sein.

 

"Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen."

 

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

Dieses Zitat ist eine für mich sehr gute Inspiration für unsere heutige Zeit. Wenn ich diese Zeilen von Goethe lese, so habe ich vor meinem inneren Auge einen Menschen, der in dem Moment des Hörens, Lesens, Sehens und Sprechens nur das tut. Er hört. Er liest. Er sieht. Er spricht. Wie viel tun wir heutzutage, ohne 100 % bei der Sache zu sein? Auf die Musik trifft das aus meiner Sicht ganz besonders zu. Sie ist im Laufe der Zeit zu etwas geworden, dass sehr gut einfach so im Hintergrund laufen kann. Denken wir einfach mal 150 Jahre zurück. Da gab es noch keinerlei Tonträger. Wenn man Musik hören wollte, gab es nur die Möglichkeit, diese live zu erleben.

Was wir heute haben, ist fast das genaue Gegenteil. Wir können Musik immer und überall „aus der Konserve“ hören. Vieles spielt sich im digitalen Raum ab. Vieles in diesem digitalen Raum überschneidet sich, sodass wir oft nicht mehr nur eine Sache, sondern viele parallel und gleichzeitig tun. So auch das Musikhören. Oft sind wir dadurch auch nicht „ganz bei der Sache“.

Wie schön wäre es, wenn wir – wie Goethe schreibt – einmal am Tag ganz bewusst ein Stück Musik hören, in das Werk eines Künstlers bewusst eintauchen, seine Kreativität, die er oder sie in das Entstehen dieses Stückes einfließen ließ, auf uns wirken lassen?

Wie wäre es, wenn wir das als Inspiration dafür nehmen, mehr Dinge mit 100 % Aufmerksamkeit, ohne Ablenkung, zu tun? 

Nach dem Motto: weniger berieseln lassen, mehr bei der Sache sein.

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