Ich lese gerade das Buch „Die geheime Sprache der Bäume“ von Erwin Thoma.

In 2020 habe ich ja damit begonnen, Musikbäumchen zu pflanzen (https://www.xumbalu.de/aufbaeumen/) und wirklich Musik für sie zu machen. Das hört sich im ersten Moment vielleicht etwas verrückt an, doch das mag ich ja…

Ich zitiere im Folgenden eine etwas längere Passage aus Thoma‘s Buch und schreibe im Anschluss daran, wie ich das Ganze im Kontext mit der Musik sehe. Das Lesen lohnt sich – wirklich . Und wer lieber zuhört als liest, der kann sich den Abschnitt aus dem Buch auch unter folgendem Link anhören

https://www.xumbalu.de/unsichtbar/

Ich habe weiter unten, unter dem Text, meine Gedanken dazu geschrieben.


Erwin Thoma, „Die geheime Sprache der Bäume“, S. 82 ff:

Bäume sprechen, sie kommunizieren untereinander und mit uns Menschen. Kommunizieren, darunter versteht man im Allgemeinen Senden und Empfangen von Mitteilungen. Wenn ich Ihnen mit dem Hammer auf den Finger haue und Sie diesen voll Schmerz zurückziehen, ist das eine Aktion und Reaktion, aber noch kein Gespräch.

Ein Gespräch, lebendige Kommunikation, braucht noch mehr als nur das Hin- und Herschicken von Impulsen. Es bedarf eines gemeinsamen Codes, einer Sprache oder Signale, die als Symbol eine Bedeutung haben, deren Inhalt beiden, Sender und Empfänger, bekannt ist.

Wenn ich zu jemandem das Wort „Haus“ sage, kommt diese Botschaft beim Empfänger nur dann an, wenn er weiß, das Wort Haus bezeichnet ein Haus und nicht einen Apfel oder sonst etwas. Diese allgemeinen Bedeutungen, die die Wörter oder Sprachsymbole erlangen, können aber nur dann allgemein bekannt sein, wenn von allen in einer sozialen Gemeinschaft die Sprache laufend benützt wird. Die Jungen lernen dann reden, weil sie die Gespräche der Alten hören.

Wenn ich behaupte, dass Bäume sprechen, setzt das also voraus, dass es laufende Gespräche der Bäume gibt. Mit anderen Bäumen und auch mit anderen Lebewesen, zu denen auch der Mensch gehören kann, wenn er beginnt, die Bedeutung zu verstehen, die von Bäumen ausgesendete Sprachsymbole haben.

In der modernen Biologie hat es zu diesem Thema im letzten Jahrzehnt ganz neue Erkenntnisse gegeben. Wichtige Publikationen zum Thema Biokommunikation kommen von dem Salzburger Wissenschaftler Günther Witzany. Ohne untereinander zu reden und ohne sich anderen Lebewesen mitteilen zu können, gäbe es keine Bäume, kein Wachstum.

Das beginnt beim Wurzelwerk. Die Baumwurzel ist neben der im Erdreich Halt gebenden Verankerung der hölzernen Riesen sein Ernährungsorgan. Es bildet gewissermaßen den Darm des Baumes. Im Darm nehmen wir Menschen Lebensstoffe aus der Nahrung, die vorher im Magen aufbereitet wurde, in das Blut auf.

Der Baum macht mit der Wurzel das Gleiche. Allerdings ist unser Ernährungssystem, der Magen und Darm nach innen gedreht und die Baumwurzel sozusagen nach außen gestülpt. Sie nimmt die Nährstoffe an ihrer Außenhülle auf.

Und jetzt wird es ganz spannend.

Die Baumwurzel allein kann überhaupt keine Nahrung aufnehmen. Im allerbesten Humus würde jeder Baum verhungern, wenn er nicht sein Helfer hätte. Das sind zuerst Pilze. Jede einzelne Wurzelspitze hält sich einen „Pilzfreund“. Dieser Pilz dringt in feinste Hohlräume voraus, schafft dort ein schleimiges Milieu, in dem die Baumnährstoffe aus dem Humus herausgelöst werden. Die Wurzel gleitet sodann in diese vorbereitete Schleimhöhle hinein. Bäume kooperieren im Erdreich also zwingend und immer mit Pilzen. Dem Pilz geht es nun aber gleich wie dem Baum. Er allein würde es nicht schaffen, dort unten aus eigener Kraft die Arbeit zu tun. Also verbrüdert auch er sich. Pro Kubikzentimeter Erdreich, das ist zirka ein Teelöffel voll, leben ungefähr eine Million Bakterien – und zehn Mal so viel Viren. Diese Organismen arbeiten mit dem Pilz zusammen. Erst in dieser Kooperation können die Nährstoffe aus dem Humus gelöst werden. Bakterien und Pilze servieren die Baumnahrung essbar zur Wurzel. Millionen Lebewesen in jedem Teelöffel Erde arbeiten mit dem gleichen Ziel.

Die Frage ist nur, wer koordiniert diese Baustelle?

Die Lieferaufträge an Pilze und Bakterien ändern sich ständig, denn das Wachstum und die Nährstoffversorgung laufen ganz und gar nicht gleichmäßig ab. Wird ein Baum verletzt, dann benötigt er zu seiner Wundheilung ganz andere Stoffe wie zum normalen Austreiben im Frühling. Biologen können zeigen, dass sich die Zusammensetzung der von den Wurzeln geschickten Nährstoffe ganz schnell an geänderte Situationen anpassen. Zum Beispiel bei der erwähnten Verletzung oder wenn daneben ein großer Baum gefällt wird und auf einmal mehr Licht vorhanden ist. Oder wenn im Fall einer Hangbewegung plötzlich im Stamm abstützende Holzsubstanz gebildet werden muss und so weiter. Jede Lebenslage des Baumes verlangt andere Nähr- und Baustoffe.

Diese Stoffe werden von der Wurzel aber nur aufgesaugt und weitergeleitet. Erzeugt und bereitgestellt werden sie ja von den baumfremden Lebewesen, dem Pilz mit seinen helfenden Bakterien. Woher wissen die, dass sie plötzlich ihre Produktion umstellen müssen, nur weil dort oben Borkenkäfer versuchen, den Baum zu überfallen und dieser jetzt plötzlich Abwehrstoffe und jede Menge Harz benötigt? Der Baum informiert die helfenden Bodenlebewesen andauernd über seine Bedürfnisse. Wenn Sie also morgens zu Ihrem Geliebten sagen: „Guten Morgen, heute bin ich so gut drauf, dass ich nicht den gewohnten Tee, sondern mit Dir eine Tasse Kaffee trinken möchte“ und der Geliebte erfreut die Kaffeemaschine in Gang setzt, dann ist dieses Gespräch eine Mitteilung, die durchaus auch zwischen dem Baum und seinen Bodenlebewesen stattfindet. Sie haben Ihr Bedürfnis nach Kaffee mitgeteilt. Der Empfänger kommt darauf Ihrem Wunsch nach und bereitet Kaffee. Inzwischen wurde sogar erforscht, dass bei der Steuerung der Bodenlebewesen auch soziale Aspekte berücksichtigt werden.“

 

 

 

Ich finde, es sind so viele spannende Aspekte in diesem Abschnitt enthalten. Was sich für mich hervorhebt: das gemeinsame Sein, hier von Bäumen, Pilzen, Viren und Bakterien und dadurch das Sichern des gegenseitigen Überlebens. 

 

Wenn ich das auf Xumbalu übertrage, so sichert jeder, der das Projekt gerade unterstützt, der mit Zug fährt, auch das Weiterleben von Xumbalu. Und es ist für mich nicht nur das Weiterleben des Projektes, sondern auch ein Beitrag dazu, die Musik im Allgemeinen am Leben zu halten. Ich halte das für sehr wichtig, u. A. auch wegen des schon letztens erwähnten Aspektes, dass Musik Menschen miteinander so gut verbinden kann. Die Sprache der Musik verstehen wir Menschen. Das spannende ist, dass es eine Sprache ist, die wir als Zuhörer gar nicht erlernen müssen. Wir müssen nur zuhören. Und mit der Zeit verändern und kristallisieren sich bestimmte Musik-Geschmäcke heraus. Der „Code“ der Musik scheint in uns Menschen aber irgendwie angelegt zu sein. Wir verstehen ihn. 

 

Was ich auch sehr spannend finde, ist der Aspekt des Kommunizierens. Würden die Bäume nicht mit anderen Lebewesen (hier Pilze) und die Pilze wiederum mit anderen Lebewesen (hier Bakterien und Viren) kommunizieren, so würden sie nicht überleben können. Ich überlasse jedem selbst, das einfach mal auf den derzeit aktuellen Stand unter uns Menschen zu übertragen.

 

Ganz allgemein schenken mir die Bäume derzeit sehr viel Inspiration, auf unterschiedlichsten Ebenen. Ein paar dieser Inspirationen sind in obigen Abschnitt von Erwin Thoma enthalten. Und Bäume sind irgendwie auch sehr musikalisch und der Musik zugetan. Sie rauschen so schön im Wind… und sind das Zuhause für so viele Vögel, die auch wieder so schöne Musik machen…jetzt gerade wieder damit beginnen…

 

Solltest Du weitere Inspirationen durch das Lesen des Textes haben, so würde ich mich freuen, davon zu hören. 

 

 

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