„Nicht sehen können trennt uns von den Dingen,

nicht hören können, trennt uns von den Menschen.“

Helen Keller

 

Auch wenn ich das teilweise etwas anders sehe, so finde ich, lohnt es sich, dieses Zitat mal wirken zu lassen.

 

Das Gehör hat für mich auf jeden Fall eine ganz besondere Faszination. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass ich Musik mache, das hat aber auch damit zu tun, dass ich von klein auf irgendwie immer schon mit dem Gehör ‚zu tun‘ hatte. Waren es als Kind einige Entzündungen im Ohr, so ist seit meiner Sturm-und-Drang-Phase mit viel lauter Musik der Tinnitus steter Begleiter.

Auch wenn die Wissenschaft ja schon so viel weiß und immer mehr Daten zur Verfügung stehen, so ist das Ohr noch immer ein großes Mysterium. Und es stellt die Mediziner noch vor manches Rätsel.

Diesem Mysterium hat sich auch Anton Stucki, der Erfinder der Naturschallwandler gestellt. Er wollte ein Lautsprechersystem kreieren, das der natürlichen Schallausbreitung so nah wie möglich kommt. Und das hat er geschafft. Wenn wir Klang unverstärkt hören, d. h. wenn wir miteinander reden, wenn wir unverstärkte Musik hören, wenn wir der Natur lauschen usw., dann erreicht uns der Schall in Kugelform. Erst wenn wir diese dreidimensionale Kugel in die Zweidimensionalität übertragen möchten, wird daraus eine Welle.

Bei einem herkömmlichen Lautsprechersystem ist der Schall immer gerichtet, je nachdem in welche Richtung die Lautsprecher stehen. Bei den Naturschallwandlern ist das anders. Sie geben den Klang in alle Richtungen (360 °) gleich weiter. Wenn wir den Schall sehen könnten, so würden wir wohl Millionen von Kügelchen in alle Richtungen fliegen sehen.

Wer einmal in den Hörgenuss der Naturschallwandler kam, möchte sie am liebsten sofort selber haben.

Anton Stucki hat in seinem ersten Buch „besser hören, leichter leben“ auf S. 20 den Hörvorgang kurz zusammengefasst dargestellt:

„Informationen (Schallwellen und Schwingungen) von außen treffen auf unseren anatomischen Hörsinn. Die Ohren wirken wie eine Schale, die Schallwellen empfängt und diese nach innen in den Gehörgang leitet. Dort treffen sie auf das Trommelfell und bringen es in Bewegung. Direkt mit dem Trommelfell verbunden sind die 3 kleinsten und härtesten Knöchelchen – Hammer, Amboss und Steigbügel genannt – in unserem Körper, die, angeregt durch das Trommelfell, die Bewegung durch das Innenohr hindurch an die Gehörschnecke weitergeben. Hier werden über Druckänderungen Wellen ausgelöst, die ihrerseits die Haarzellen in Bewegung versetzen, so wie der Wind die Wipfel der Bäume im Wald bewegt.

Jede einzelne dieser etwa 20.000 bis 30.000 Haarzellen (die Angaben schwanken sehr stark) in der Gehörschnecke (Cochlea) ist mit einer Nervenzelle verbunden, und diese Nervenzellen geben die erhaltene Anregung als elektrischen Impuls über den Hörnerv ans Gehirn weiter. Erste Station ist das Stammhirn, um notfalls blitzschnell reagieren zu können. Von dort geht es weiter in verschiedene Bereiche des Gehirns.

Ebenfalls beteiligt am Hören ist unser Gleichgewichtsorgan (die 3 Bogengänge), das auch im Ohr sitzt und feinste Steuerimpulse über den Gleichgewichtsnerv in unsere Muskulatur gibt. Zudem ist jedes Ohr mit beiden Gehirnhälften verbunden, technisch gesprochen kreuzverschaltet, und beeinflusst die elektrische Grundschwingung unseres Gehirns, die bei einem EEG sichtbar gemacht werden kann. Der Hörvorgang beeinflusst also, wie die beiden Gehirnhälften zusammenwirken und dadurch optimal miteinander arbeiten können.

 

Das erste, was für mich nach dem Lesen dieser Zeilen da ist, ist Demut. Was für ein geniales Fahrzeug, den Körper, bewohnen wir doch, wo so unfassbar viele Prozesse ineinander greifen und wir als Körpersystem so funktionieren wie wir es eben tun.

 

Und wenn das Gehör an so vielen und wichtigen Prozessen beteiligt ist, so ist es auch nachvollziehbar, dass die Qualität dessen, was da von uns über das Hören aufgenommen wird, am besten so natürlich möglich sein sollte. Das war und ist auch die Motivation von Herrn Stucki, dem Erfinder der Naturschallwandler.

Deswegen spiele auch ich Musik am allerliebsten ganz analog und ohne Verstärkung.

Ein Traum von mir ist, eines Tages Naturschallwandler für die Anlässe, in denen es Verstärkung braucht, zu nutzen oder Musik, die ich anhöre, über Naturschallwandler zu hören.

 

Weiter heißt es im Buch:

„Ein gesunder Hörsinn führt also über die akustische Wahrnehmung zu einer umfassenden und korrekten eigenen Orientierung im Raum.“

 

Ich hab so ne Vermutung, dass durch allzu viel digitales Hören dieser Orientierungssinn zu wenig trainiert bzw. beansprucht wird und als Folge eine gewisse Orientierungslosigkeit resultiert. Weiterhin impliziert das digitale Hören in den allermeisten Fällen das sogenannte Format mp3. Dieses Format schneidet die Frequenzen, die wir mit dem Ohr nicht hören können, einfach weg. Das macht die Datenmenge, die übertragen werden muss, kleiner. Diese Tatsache ist für so ziemlich jede Musik-Plattform, jeden Radiosender etc. enorm wichtig, da die übertragenen Datenmengen eh schon sehr groß sind und man kürzt, wo es nur geht. Jedoch wurde eindeutig festgestellt, dass der Körper beim Anhören einer mp3 Datei merkt, dass da etwas fehlt. Und es wurden dabei erhöhte Stress-Level des Körpers gemessen. Na klar, der Körper spürt, es fehlt was, kann’s aber nicht finden. Insofern ist es logisch, dass er unruhig wird. Im Umkehrschluss: je mehr wir natürlichen Geräuschquellen, besonders jenen der Natur (Rauschen der Blätter, des Wassers, Singen der Vögel usw.), aber auch analoger Musik zuhören, umso mehr umgeben wir uns mit natürlichen und wohltuenden Klängen und umso mehr wird unser natürlicher Orientierungssinn beansprucht. Das gibt uns Stabilität und Orientierung.

Ist digital und mp3 deswegen schlecht? Ich würde sagen: die Balance macht’s, wie bei so Vielem. Weder das Digitale ist ‚nur schlecht‘ noch das Analoge ‚nur gut‘.

Und vielleicht kommt Orientierung ja von O(h)rientierung ;-)

 

Ein sehr spannender Aspekt des Buches von Anton Stucki ist für mich auch, dass vermutlich verlorengegangener Hörsinn durch gezieltes Trainieren der akustischen Ortung und Verarbeitung der Hörinformationen im Gehirn wieder aufgebaut werden kann.

Im Sinne von: Alles ist möglich. Ein Universum für sich…

 

Diese Dinge beschäftigen mich auch dahingehend, da ich mir immer mal wieder überlege, ein Online-Konzert zu geben - oder eben nicht. Bisher habe ich nur ein einziges als Test in ganz kleiner Runde gemacht und für mich hat’s nicht gepasst. Da kam nicht im Entferntesten das rüber, das bei einem ‚normalen Konzert‘ rüberkommt. Mal sehen, ob sich das noch ändert…

Und auch sonst bin ich am Überlegen, wie ich der Musik Ausdruck verleihen kann. Das Zugfahren mit Euch allen ist definitiv etwas, das ich sehr genieße und mir auch viele neue Inspirationen schenkt.

Da ihr wahrscheinlich schon mitbekommen habt, dass mich das Thema mit den Bäumen und dem Wald sehr beschäftigt, sind auch Gedanken da, Musik im Wald zu machen. Das könnte ich mir so vorstellen, dass ich mit ein paar Instrumenten in den Wald gehe und zu den Klängen des Waldes, der Vögel und was sonst noch so da ist, improvisierend Musik mache. Jeder Zuhörer kann sich dabei sein Plätzchen suchen und lauschen. Mal sehen, ob und wie sich das realisieren lässt. Die Vorstellung daran ist für mich auf jeden Fall super .

 

 

So viel für heute.

Wir hören uns. Und sehen uns hoffentlich auch bald wieder.

 


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