Follow your heart
Heute ein Song der Scorpions, der mir in den letzten Wochen mehrmals begegnete. Auch wenn er schon ein paar Jahre alt ist, so ist er in vielerlei Hinsicht aktueller denn je (finde ich).
The Scorpions - Follow your heart
https://www.youtube.com/watch?v=tMui4IVW0BM
Was es bedeutet und beinhaltet, wenn jemand seinem Herzen folgt, ist so individuell wie jeder Mensch. Für mich ist es immer wieder faszinierend, solchen Menschen zu begegnen, die ihrem Herzen folgen. Da kommt für mich sehr viel ganz Lebendiges rüber. Diese Lebendigkeit hat vielleicht auch damit zu tun, dass diese Menschen eher agierend als reagierend unterwegs sind. Die Aktionen kommen dann aus dem Herzen und das ist spürbar. Das ist auch oft damit verbunden, dass es mal rauf und runter geht. Ist es diese Achterbahnfahrt, die Lebendigkeit ausmacht und die aus dem Herzen gelebt wird?
Wenn ich solch einem Menschen begegne, dann spüre ich auf jeden Fall Lebendigkeit. Und woher kommt solch ein Gefühl? Vielleicht auch aus dem Herzen?
Oft denke ich mir in diesen Zeiten, ob es uns allen nicht gut tun würde, mehr dem scheinbar Unerklärlichen zu folgen, das aus unserem Inneren (dem Herzen?) kommt. Mir fällt es leichter, so zu leben, je unerklärlicher für mich Dinge im Außen werden, vor Allem wenn die Achterbahnfahrt gerade etwas 'ungestühmer' ist. Aus solch einer Situation entstand vor Jahren auch mein Motto "Vertrauen und Hingabe". Damals hieß das für mich, dem zu vertrauen, was das Leben mir gerade anzubieten hatte und mich diesem voll und ganz hinzugeben. Heute hat es sich etwas geändert. Es ist mehr das Vertrauen in mich selbst und in meine Fähigkeiten und mich diesen und mir ganz hinzugeben. Spannend wird es auch, wenn mein Vertrauen mal 'futsch' ist und mir quasi nichts anderes übrig bleibt als mich dem hinzugeben, was gerade da ist, auch wenn das mal tiefe Traurigkeit, Ärger oder Hoffnungslosigkeit ist. Aus dieser Hingabe kann dann auch wieder Vertrauen entstehen. So ergänzt sich beides auf gewisse Art und Weise gegenseitig.
Herzlich, Martin
P.S.: Hast Du Gedanken hierzu? Ich würde mich freuen, von Dir zu hören.
Von der lieben Claudia (auf 2 Kommentare aufgeteilt, da nur eine bestimmte Anzahl an Zeichen möglich ist ;-))
AntwortenLöschenTeil 1:
"Ja! Ich habe etwas beizutragen: Eine kleine Geschichte, in der ich gerade mitten drin bin. Und die mir tiefe Einblicke in die Qualität der Weisheit unseres Herzens und auch unseres Körpers ermöglicht hat, in dem ja unser Herz wohnt. Vielleicht bringt sie etwas in Euch zum Klingen oder bestätigt etwas in Eurem Inneren, das mitunter noch sehr leise flüstert und so manches Mal im Rauschen des Alltags einfach überhört wird...
Eigentlich kein spektakuläres Ereignis und etwas, das wahrscheinlich tausenden von Menschen auf der Welt jeden Tag passiert. Beim Sport, bei der Arbeit, im Haushalt oder im Urlaub: Ein Muskelfaserriss. Nichts Dramatisches - nichts ab, nichts gebrochen. Aber die Schulter tut höllisch weh bei jeder kleinen Bewegung. Und es ist der rechte Arm. Genau der Arm, den man als Klavierbauerin immer braucht. Keine Stimmung ohne den rechten Arm und eine Warteliste von Kunden, die schon wochen- und monatelang Geduld haben...
Soweit die äußere Situation. Viel spannender finde ich das innere Erleben dabei und das möchte ich gern mit Euch teilen. Diese lange Warteliste und der Anspruch möglichst jeden Auftrag in Harmonie mit den Kunden und ihren Instrumenten auszuführen, hatte mich bereits das ganze letzte Jahr begleitet. Und ich war mir sicher: Ich achte sehr gut auf meinen Rythmus, auf meine Ernährung und meinen Schlaf, usw. - das bringt mir schon die Kapazität überdurchschnittlich viel arbeiten zu können. De facto: Ein Jahr lang jeden Tag. Und trotzdem wurde die Liste nicht kürzer... Ich brauchte immer öfter mal ein Stück Schokolade, um die langen Tage durchzuhalten und vor ein paar Wochen muckelte dann ab und an der rechte Arm beim Stimmen. Trotzdem sagte etwas in mir immer noch unerbittlich Ja zu einer bestimmten Energie von Druck, im Gegensatz zu dem, was mein Körper leise vorschlug. Während er sagte „ ich mag so gern mal ein bißchen Ruhe haben und den Rythmus wieder herunterschrauben... formte mein Verstand Sätze wie: “...Du kannst dankbar sein, dass Du in dieser Krise so viel Arbeit hast“, mein Bedürfnis nach Harmonie, aber auch die Freude daran meinen Sinn leben zu dürfen waren der Antrieb. Interessanterweise fühlte ich mich, trotzdem ich so aktiv war und viele mich dafür bewunderten, nicht wirklich lebendig. Eher wie auf einer eingerasteten Spur. Und als der Arm sich dann deutlicher bemerkbar machte, sagte dieselbe Energie: Jetzt ist es Zeit etwas für Deinen Arm zu tun, sonst fällst Du bald aus. Und anstatt meinem Körper einfach mal seine Ruhe zu lassen und sanfter mit ihm umzugehen, wollte ich die Heilung beschleunigen und buchte bei einer guten Kundin eine Liebscher-Bracht Behandlung. Obwohl sie sehr achtsam und einfühlsam war und wirklich Ihr Bestes gegeben hat, um mir zu helfen, hatte ich damit eine Behandlunsmethode ausgewählt, bei der Druck auf bestimmte Muskelansätze ausgeübt wird, um sie zum Loslassen zu bringen. Das hat mechanisch auch gut funktioniert, mein Bewegungsradius war wesentlich weiter danach. Aber dadurch, dass jemand von außen es für mich erreicht hatte, konnte mein Körper plötzlich nicht mehr die Schutzreflexe ausführen, die er im Werkstattalltag gewohnt war. Die Muskulatur war damit beschäftigt, sich wieder zu sortieren und den Muskelkater auszugleichen. Am nächsten Tag wollte ich nur unterm Flügel zwei Löcher bohren. Als die Bohrmaschine sich aber ein bißchen fing, fehlte mir der anspannende Reflex gegenzuhalten und ihr Schwung schlug bis an den Ansatz in die geöffnete Muskulatur hinein. Eine Stadt, in der bereits Aufruhr herrscht, ist ein leichtes Ziel für einen überraschenden Angriff... Tja... und so war der Arm dann wirklich ausgeschaltet...
(...)
Teil 2:
AntwortenLöschenVielleicht sogar noch für mehrere Wochen. Und so schlimm das klang, für die wartenden Kunden, für mein Einkommen, für das Funktionieren - etwas war plötzlich in mir wieder eingeschaltet: Meine Lebendigkeit! Mit einem Ruck war ich aus der Spur draußen. Nun konnte ich in aller Ruhe den Garten genießen und hatte Zeit. Und während dieses Glücksgefühl in mir wirkte, fragte ich mich des öfteren: Hm..., hätte ich nicht auch gleich eine Woche Auszeit nehmen können und zu Felix nach Norddeutschland fahren, dessen Behandlung viel sanfter ist, als ich es mit mir bin, und vollkommen ohne Druck auskommt?
Dann hätte ich diese schmerzhafte Erfahrung gar nicht erst gebraucht und hätte einen Heilungsschritt von innen gemacht. Ist Lebendigkeit nicht eher der tiefe Kontakt zu sich und seinem eigenen Rythmus statt viel Aktion und für alle alles zu erfüllen? Ist Lebendigkeit nicht der Genuss des Sanften, der Bewegungen wenn sie ruhig, fließend und harmonisch sind? Das Unscheinbare, was man von außen gar nicht sehen kann, aber sehr wohl fühlen? Das Unspektakuläre und das still Seiende? Das ohne Antrieb fremder Energien warten kann, bis es den Impuls spürt etwas zu tun? Das den Moment fragen lässt, was gebraucht wird und sich dienend im Fluss mit ihm befindet, immer, zu jeder Zeit?
Wenn man immer mehr leistet als es der eigene Flow brauchen kann, dann befindet man sich zwangsläufig auf einer Art Überholspur. Dann ist eine Spannung zu halten, die nur mit „Hilfsmitteln“
wie Schokolade oder anderen Stimulanzien erhalten werden kann. Ansonsten würde man ganz von allein müde werden, wenn man müde ist und ausruhen mögen, wenn es genug ist.
Eine klangliche Beobachtung möchte ich zum Schluss noch hinzufügen: Es ging wesentlich leichter und schmerzfreier bestimmte Bewegungen zu machen wie z.B. von einem Stuhl aufzustehen (was sonst höllisch weh tat) wenn ich vorher und währenddessen eine Weile gesummt habe. Das Summen war wie eine Brücke zwischen der Festigkeit der verletzten Muskulatur und dem Rest des Körpers. Wie als würde die Schwingung die verletzte Stelle an die Hand nehmen und sagen: „Komm, das schaffst Du schon“... :-).
Viele Grüße und alles Liebe schickt Euch Zugreisenden Claudia"